Werra-Rundschau vom 08.09.2026
Tischtennis ist seine Leidenschaft
Eike Freitag spielt ein halbes Jahrhundert – 700-mal für Weißenborn
Wenn Eike Freitag an der Platte steht, dann schlägt sein Herz schneller. Seit fast einem halben Jahrhundert gilt seine Liebe dem Sport. © Foto: Harald Triller
Weißenborn – Wenn der kleine weiße Zelluloidball über das Netz fliegt, dann schlägt bei Eike Freitag das Herz auf höherer Frequenz, dann fühlt er sich mit seiner großen Leidenschaft ganz tief verbunden. Seit fast einem halben Jahrhundert steht er an der Tischtennisplatte, allein für den TuS Weißenborn bringt er es in 40 Jahren auf 700 Pflichtspieleinsätze von der Kreisklasse bis zur höherklassigen Verbandsliga, in der die Dörnermänner über viele Spielzeiten fester Bestandteil gewesen sind.
„Ja, in der Tat, ich kann es selbst kaum glauben, 2027 sind es exakt 50 Jahre, in denen ich aufgeschlagen, abgewehrt und geschmettert habe“, so die Worte des 62-Jährigen, bei dem 1977 das Feuer für den Tischtennissport in seinem damaligen Wohnort Oberdünzebach entfacht ist.
Und er steht auch heute noch seinen Mann, hat sich selbst nach einem Kreuzbandriss im hohen Tischtennisalter zurückgekämpft, 2022 noch einmal neu orientiert und sich dem TTV 89 Oberhone angeschlossen, wo er die dritte Mannschaft mit seinem großen Erfahrungsschatz in der Bezirksklasse verstärkt.
■ Der Leichtathlet
Angefangen mit dem Sport, er legt auch aktuell noch immer großen Wert auf Breitensport, der für ihn die Basis aller Bewegungselemente ist, hat er 1975 in der Leichtathletikabteilung beim Eschweger TSV, wo er von Hans-Walter Grafen trainiert wurde. „Zu ihm haben wir immer aufgeschaut, er hatte Legendenstatus, war eine Koryphäe“, erinnert sich Eike Freitag gerne an die fünf Jahre von 1975 bis 1980 zurück. Aber dazwischen feuerte er auch seinen persönlichen Startschuss im Tischtennis ab. Und auch im Eschweger Stadtteil pflegte er den Breitensport, startete unter anderem beim Meißner-Bergturnfest.
■ Die Tischtennisfamilie
„Was ich 1977 in Oberdünzebach im Tischtennis begonnen habe, setzte ich 1980 beim Eschweger TSV fort, wo ich mit 18 Jahren bereits ins Herrenteam aufrückte. Aber schon zwei Jahre später, auch der Liebe wegen zu meiner Frau Rita, mit der ich 1984 vor den Traualtar getreten bin, wechselte ich nach Weißenborn“, gibt Eike Freitag zu verstehen, dass er in eine Tischtennisfamilie eingeheiratet hat, denn sowohl der Schwiegervater Friedel Lenze als auch die beiden Schwager Friedel Junior und Ralf waren und sind kreisweite Galionsfiguren dieser schnellen Sportart.
„Wir sind mehrfach in die Verbandsliga aufgestiegen und gehörten damit zu den Aushängeschildern des Tischtenniskreises“, berichtet der 62-Jährige, dass sich der TuS über Jahrzehnte hinweg als eines der stärksten Tischtennis-Herrenteams im Kreis etabliert hat. „Legendär sind unter anderem die packenden und zuschauerstarken Derbys gegen den Lokalrivalen aus Albungen“, erinnert sich Eike Freitag an ein Spitzenspiel im Januar 2016, als 120 Zuschauer in die Halle „In der Aue“ in Weißenborn strömten.
■ Der Fußballer
Die Pflege der Gemeinschaft zwischen den Ortsteilen Weißenborn und Rambach war schon immer lobenswert. So fand auch Eike Freitag den Weg zu den Mattenklickern, wo er von 1984 bis ins Jahr 2000 Fußball beim SSV gespielt hat, sowohl in der ersten als auch in der zweiten Mannschaft. „Anfangs als Stürmer, später wechselte ich in die Abwehrkette und suchte mein Heil in der Defensive“, erklärte der ausgebildete Zollbeamte, der 1991 zur Hessischen Justiz-Verwaltung wechselte und bis zur Pension 2022 bei der Justizvollzugsanstalt in Kassel-Wehlheiden tätig war.
Auch in der Führungsetage scheute er die Verantwortung nicht, hat 2005 den Vorsitz beim SSV Rambach übernommen und bis 2012 die Geschicke gelenkt: „In dieser Zeit galt es, das Jubiläum 50 Jahre SSV zu organisieren, das wir 2010 gefeiert haben. Und im gleichen Jahr, das hätte nicht besser sein können, durften wir den legendären Aufstieg von der B-Liga in die Kreisliga A bejubeln“, schwärmt Eike Freitag noch heute von diesem denkwürdigen Doppelereignis.
■ Der Trainer
Parallel dazu folgte er dem Ruf der Weißenbörner Sozialdemokraten, die ihn 2006 für die Gemeindevertretung aufgestellt haben. „Knapp 16 Jahre gehörte ich dem Plenum an, habe mich aber nach mehreren Legislaturperioden 2024 von der Kommunalpolitik verabschiedet“, blickt er auf eine weitere ehrenamtliche Schiene, auf der er sich bei den Werraland Lebenswelten fortbewegt. „Ich trainiere jeden Montag zwei Stunden mit den Tischtennisspielerinnen und -spielern der Einrichtung, betreue sie bei Turnieren, wie beim Unified-Sportfest in Reichensachsen, oder war auch mit bei den Special Olympics in Saarbrücken“, gibt Eike Freitag zu verstehen, dass ihm die Arbeit mit den leistungswilligen Athleten Freude bereitet und er dafür zu dem Personenkreis gehörte, der mit dem Ehrenamtspreis vom Werra-Meißner-Kreis ausgezeichnet wurde.
Auch der TuS Weißenborn würdigte im Jahr 2022 das ehrenamtliche Engagement für 40 Jahre Einsatz für die Tischtennisabteilung mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. „Da hat sicherlich auch die Tatsache mitgespielt, dass ich in den vier Jahrzehnten kein einziges Serienspiel verpasst habe“, verkündet er voller Stolz und adressiert dankbare Worte an Ehefrau Rita, die ihm stets für seine Ehrenämter den Rücken gestärkt hat.
„Aber auch Rita war ehrenamtlich in das Vereinsgeschehen beim TuS als Tischtennis-Spartenleiterin eingebunden. Und unsere Kinder Anna und Simon haben zunächst Tischtennis gespielt, dann lockte der Fußball beim TSV Grebendorf unsere Anna, und Simon hat sich dem SSV Rambach angeschlossen“, richtet Eike Freitag seinen Blick in die Zukunft.
Nach seiner Vision gefragt, sagt er: „Natürlich steht die Gesundheit an erster Stelle. Und ich möchte mit meinem lädierten Knie weiterhin Tischtennis spielen, werde aber auch den Breitensport als Unterbau für Bewegung fördern.“HARALD TRILLER