Donnerstag, 28. Mai 2026, Werra Rundschau / Werra-Meißner
Kriminelle haben Kontodaten im Visier
VR-Bank Mitte macht auf neueste Maschen beim Online-Betrug aufmerksam
Werra-Meißner – Betrugsmaschen werden immer gerissener, das merken auch die Mitarbeiter der VR-Bank Mitte.
Die auch im Werra-Meißner-Kreis vertretene Genossenschaftsbank muss immer am Zahn der Zeit bleiben, um auf die Betrüger zu reagieren. Wir sprachen mit Florian Hartleib, Prokurist und Bereichsleiter Unternehmenskommunikation der VR-Bank Mitte, über die neusten Tricks der Betrüger und was Kunden und Betroffene zu ihrem Schutz machen können.
■ E-Mails
Die wohl bekannteste Vorgehensweise derzeit ist die, bei der Betrüger gefälschte E-Mails senden und darum bitten, auf einen Link zu klicken. „Oft werden Aktualisierungen von Kundendaten gefordert, die unter einem Link einzutragen sind“, beschreibt Hartleib. Diese E-Mails können einen Virus auf dem PC installieren und die Nutzer ausspähen. Kunden sollen in diesem Fall auf Details in den E-Mails achten. Logos, Impressum und die Absenderadresse entlarven die Nachrichten als Betrugsversuch.
■ Phishing
Bei den aktuellen Phishing-Methoden, mit denen sich die Betrüger ebenfalls als die Bank ausgeben, wird per E-Mail oder per SMS zur „Aktualisierung des VR SecureGo plus Verfahrens“ aufgefordert. „Die Nachrichten enthalten Links zu gefälschten Webseiten“, warnt Hartleib. Die Betrüger schreiben außerdem häufig davon, dass die Aktualisierung dringend nötig sei. Auf den Websites, die beispielsweise hxxps://vr-tan-verfahren.com oder hxxps://vr-aktualisieren.com lauten, werden Zugangsdaten und Freigaben von den Betrügern abgefragt. „Geben Sie keine Daten preis“, rät der Bankmitarbeiter.
■ Telefonanruf
Via Telefon gibt es aktuell ebenfalls zwei Betrugsvarianten. Bei der ersten geben sich die Betrüger als Bankmitarbeiter aus und fordern zur „Verhinderung unberechtigter Zahlungen“ auf, eine Online-Überweisung auszuführen. „Im Display erscheint sogar teilweise scheinbar die tatsächliche Nummer der Bank“, sagt Florian Hartleib.
Im Hintergrund ist jedoch eine andere Rufnummer hinterlegt, was Spoofing genannt wird. Und es wird noch perfider: „Um zusätzliches Vertrauen zu erschleichen, nutzen die Täter teils echte Namen, die sie zum Beispiel auf der Homepage recherchieren.“ Unter Zeitdruck behaupten die Täter, verdächtige Zahlungen stoppen zu wollen, und drängen dazu, TANs zu bestätigen. „Unsere Teammitglieder fragen Sie niemals nach Ihrer PIN oder fordern Sie zu einer TAN-Eingabe auf“, warnt der Prokurist eindringlich.
Die zweite Variante: Die Täter täuschen Sicherheitsprüfungen, Stornierungen oder falsche Paypal-Vorgänge vor und kündigen Anrufe oft per SMS oder Mail an. Ziel ist es, Zugangsdaten, TANs oder Freigaben zu erlangen. Wenn Daten weitergegeben worden sind, sollte Online-Banking sofort gesperrt und die Bank kontaktiert werden. In beiden Fällen sollten Betroffene sofort auflegen und sich an eine vertraute Nummer der Bank wenden, empfiehlt Hartleib.
■ Girocards
Haben Betrüger die Zugangsdaten erbeutet, kann es zu einer weiteren Form des Betrugs kommen: Die Täter bestellen digitale Karten und drängen die Opfer per Nachricht oder Anruf zu einer TAN-Freigabe. Dadurch werden die Karten auf den Geräten der Betrüger freigeschaltet. Zusätzlich fordern die Betrüger laut Hartleib die Betroffenen oft dazu auf, die Installation einer „Superproxy“-App vorzunehmen. Diese umgeht Gerätesicherheitsprüfungen.
■ MFA-Bombing
Bei dieser Masche überhäufen Betrüger ihre Opfer mit vielen Anfragen zur Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und bombardieren die betroffenen Bankkunden nahezu damit. „Ziel ist es, die Betroffenen zu ermüden, bis sie aus Frust eine Anfrage bestätigen und so Zugriff oder Transaktionen freigeben“, erklärt Florian Hartleib. Die nötigen Anmeldedaten wurden meist zuvor per Phishing erbeutet. Unbekannte MFA-Anfragen sollten auf keinen Fall bestätigt werden.
Außerdem empfiehlt die VR-Bank Mitte, dass Betroffene ihre Online-Banking-PIN ändern und den Vorfall der Bank melden. Im Zweifel solle die Karte gesperrt werden.
Weitere Informationen für Betrugsopfer gibt die VR-Bank Mitte im Internet unter:
WILLIAM ABU EL-QUMSSAN
Betrugsfälle sinken
Im Bereich der Betrugsdelikte ist die Zahl der Straftaten im Werra-Meißner-Kreis in den vergangenen Jahren gesunken. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 460 Taten angezeigt. 2024 waren es 523 und 2023 lag die Zahl bei 576. Eine Kategorisierung der einzelnen Betrugsmaschen ist aus polizeilicher Sicht schwierig, erklärt Polizeisprecherin Ulrike Schaake. Ebenso ist das Fassen der Täter eine Herausforderung, da die Callcenter, aus denen die Betrugsanrufe getätigt werden, ihren Sitz meist im Ausland haben. Und: Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist sehr hoch, erklärt Schaake. Das liege zum einen am Schamgefühl der Opfer, zum anderen werde häufig erst später im Gespräch mit Angehörigen oder Bekannten der Betrug als solcher erkannt.